Rechtsprechung - Newsticker

Hier finden Sie tagesaktuelle Meldungen der Internetredaktion des Verlags Dr. Otto Schmidt zum Ertragsteuerrecht.

Hier gehts zu den Expertenkommentaren der FR-Autoren 


Aktuell in der FR
Nach aktueller Rechtsprechung des EuGH und des BFH zur erweiterten Hinzurechnungsbesteuerung für Zwischeneinkünfte mit Kapitalanlagecharakter können betroffene Steuerpflichtige in Drittstaatenfällen grundsätzlich den Nachweis erbringen, dass die Beteiligung an der Auslandsgesellschaft nicht auf einer rein künstlichen Gestaltung beruht (Motivtest). Vorliegender Beitrag untersucht die Auswirkungen der aktuellen Rechtsprechung auf praxisrelevante Fälle. Nicht abschließend geklärt ist insbesondere die Frage, wie der Motivtest bei Beteiligungen an Drittstaatengesellschaften zu führen ist. Neben den aus einer gesellschaftsbezogenen Betrachtung abgeleiteten Substanz-Kriterien der Cadbury Schweppes-Rechtsprechung sollten auch wirtschaftliche Gründe für das „Beteiligtsein“ zu beachten sein. Konsequenzen hat die aktuelle Rechtsprechung auch auf den Grundtatbestand der noch geltenden Hinzurechnungsbesteuerung (§ 7 Abs. 1 AStG). Mit der geplanten Reform der Hinzurechnungsbesteuerung durch das ATADUmsG soll der Motivtest bei sog. Kapitalanlagegesellschaften (§ 13 AStG-E) auf Drittstaatenfälle ausgeweitet werden. Der Beitrag untersucht, ob damit die Vorgaben des EuGH zur Kapitalverkehrsfreiheit vollumfänglich erfüllt werden.

BFH v. 29.10.2019 - VIII R 16/16
Nach dem 30.6.2009 realisierte Verluste aus der Veräußerung von sog. Vollrisikozertifikaten, die nach dem 14.3.2007 angeschafft wurden, unterfallen § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7, Abs. 4, Abs. 6 EStG i.d.F. des Streitjahres.

BFH v. 3.9.2019 - IX R 10/19
Wird eine Wohnimmobilie im Jahr der Veräußerung kurzzeitig vermietet, ist dies für die Anwendung der Ausnahmevorschrift des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 3  2. Alt. EStG unschädlich, wenn der Steuerpflichtige das Immobilienobjekt - zusammenhängend - im Veräußerungsjahr zumindest an einem Tag, im Vorjahr durchgehend sowie im zweiten Jahr vor der Veräußerung zumindest einen Tag lang zu eigenen Wohnzwecken genutzt hat.

BFH v. 19.12.2019 - VI R 8/18
Aufwendungen in Zusammenhang mit der Beseitigung oder Linderung von Körperschäden, die durch einen Unfall auf einer beruflich veranlassten Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte eingetreten sind, können gem. § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG als Werbungskosten abgezogen werden. Sie werden von der Abgeltungswirkung der Entfernungspauschale nicht erfasst. Diese erstreckt sich nur auf fahrzeug- und wegstreckenbezogene Aufwendungen.

Niedersächsisches FG v. 28.1.2020 - 12 K 213/19
Die Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sind im Bereich des Steuerrechts nur auf harmonisierte Steuern, wie etwa die der Umsatzbesteuerung, anwendbar, nicht dagegen auf dem Gebiet der Einkommensbesteuerung natürlicher Personen. Es ist nicht zulässig, den sachlichen Anwendungsbereich der DSGVO durch ein Schreiben der Finanzverwaltung zu erweitern.

BFH v. 21.1.2020 - IX R 26/19
Im Revisionsverfahren stellt sich die Frage, ob die vom BMF zur Verfügung gestellte "Arbeitshilfe zur Aufteilung eines Gesamtkaufpreises für ein bebautes Grundstück (Kaufpreisaufteilung)" bei der Aufteilung eines vertraglich vereinbarten Kaufpreises auf Grund und Gebäude für Zwecke der AfA-Bemessung zugrunde gelegt werden kann. Der Senat hat das BMF zum Beitritt zu diesem Verfahren aufgefordert (§ 122 Abs. 2 Satz 3 FGO).

BFH v. 27.11.2019 - II R 40/16
Das Prüfungs- und Zeugnisrecht einer staatlich anerkannten Ersatzschule ist öffentlich-rechtlicher Natur. Geht mit der Trägerschaft an einer staatlich anerkannten Ersatzschule auch das Prüfungs- und Zeugnisrecht über, handelt es sich um dem Übergang öffentlich-rechtlicher Aufgaben i.S.d. § 4 Nr. 1 GrEStG.

BFH v. 18.12.2019 - VI R 30/17
Eine Kürzung der einbehaltenen Lohnsteuer nach § 41a Abs. 4 Sätze 1 und 2 EStG kommt nicht in Betracht, wenn das Schiff im maßgebenden Lohnzahlungszeitraum nicht im internationalen Verkehr betrieben wird. Ein qualifizierter Betrieb an wenigen Tagen im Jahr reicht daher nicht aus, um die einbehaltene Lohnsteuer für das gesamte Wirtschaftsjahr zu kürzen.

Aktuell im EStB
Die Betriebsaufspaltung ist in der steuerrechtlichen Praxis häufig anzutreffen. Vielfach werden einzelne Wirtschaftsgüter zivilrechtlich vom Betriebsunternehmen getrennt und an dieses überlassen. Es besteht oft der Bedarf, die steuerrechtlichen Folgen einer Betriebsaufspaltung zu vermeiden oder zumindest bestimmte (gewünschte) Rechtsfolgen zu erzeugen. Der folgende Beitrag stellt FG- und BFH-Rechtsprechung zur Betriebsaufspaltung vor und weist auf (noch) ungelöste Probleme hin.

BMF-Schreiben
Mit BMF-Schreiben v. 19.3.2020 hat das BMF auf die Auswirkungen durch das Corona-Virus reagiert und steuerliche Erleichterungen beschlossen.



Rechtsprechung - Expertenkommentare von FR-Autoren

Ständige Mitarbeiter und weitere Autoren der Finanz-Rundschau verfassen hochklassige Urteilskommentare. Derzeit sind ständige Mitarbeiter die Herren (Vors.)/Richter am BFH Dr. Bergkemper (a.D.), Bode, Prof. Dr. P. Fischer (a.D.), Prof. Dr. Gregor Nöcker, Greite, RA, StB Prof. Dr. Kanzler (a.D.), Dr. Kempermann (a.D.), Prof. Dr. Pezzer (a.D.), Prof. Dr. habil. Weber-Grellet (a.D.), Wendt, Prof. Dr. Francesca Werth. Hier einige Beispiele:


BFH 13.7.2017, IV R 42/14 mit Kommentar von Vors. RiBFH Michal Wendt
Der gewerblichen Prägung einer „Einheits-GmbH & Co. KG“ steht nicht entgegen, dass der im Grundsatz allein geschäftsführungsbefugten Komplementärin im Gesellschaftsvertrag der KG die Geschäftsführungsbefugnis betreffend die Ausübung der Gesellschafterrechte aus oder an den von der KG gehaltenen Geschäftsanteilen an der Komplementär-GmbH entzogen und diese auf die Kommanditisten übertragen wird.

BFH 5.4.2017, X R 30/15 mit Kommentar von Vors. RiBFH a.D. Prof. Dr. Heinrich Weber-Grellet
 

1. Eine Rückstellung kann auch für Verpflichtungen aus öffentlichem Recht gebildet werden, wenn die Verpflichtung wirtschaftlich in den bis zum Bilanzstichtag abgelaufenen Wirtschaftsjahren verursacht ist.

2. Die Verpflichtung muss nicht nur an Vergangenes anknüpfen, sondern auch Vergangenes abgelten. Das ist der Fall, wenn sie auch dann zu erfüllen ist, wenn der Betrieb zum Ende des Bilanzzeitraums aufgegeben würde.

3. Das Going-Concern-Prinzip bezieht sich auf die Bewertung, nicht den Ansatz von Bilanzpositionen.

4. Für Kammerbeiträge eines künftigen Beitragsjahres, die sich nach der Höhe des in einem vergangenen Steuerjahr erzielten Gewinns bemessen, kann keine Rückstellung gebildet werden.